FAZ-Artikel über Gustonarium |
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Sonntagszeitung Rhein-Main
GESCHMACKSACHE
Feines aus Österreich
Von jacqueline vogt
Eine kurze Reise ins Nachbarland Österreich, ein Aufenthalt von ein paar Tagen irgendwo auf dem Land genügt schon, und es kommt einem, was in Deutschland als Auferstehung der regionalen Küche gefeiert wird, wie ein vergleichsweise noch schmales Programm vor. Dass in Österreich kulinarische Themen im gesellschaftlichen Leben fest verankert sind, Produzenten als Bewahrer nationalen Kulturguts gelten und bei der Vermarktung ihrer Waren politisch unterstützt werden, trägt zum vielfarbigen Bild dort bestimmt bei. Von den Schätzen des Landes am bekanntesten in der Welt sind heute nach den Mehlspeisen wohl die Weine, deren Wahrnehmung sich seit dem Glykolskandal in den Achtzigern sehr verändert hat. Und nicht nur haben österreichische Weine inzwischen anständige Qualität auch in der Breite, sondern es werden viele Top-Produkte zu Preisen verkauft, wie sie deutsche Winzer für ihre Ware gerne verlangen würden, es wegen des stark ausdifferenzierten Marktes hierzulande aber nicht können.
Eine Adresse für Freunde österreichischer Weine ist im Rhein-Main-Gebiet ein Fachwerkhaus in Königstein, am Rande der Fußgängerzone. Dort verkaufen Anne und Gerhard Aichberger feine Tropfen und eine Auswahl ländlicher Delikatessen. Gustonarium heißt das Geschäft, und interessant sind zum Beispiel die Grünen Veltliner, die es dort gibt. Während einem in der Gastronomie oft die jungen, spritzigen Veltliner serviert werden, hat sich Aichberger auf die schon etwas gereiften Jahrgänge spezialisiert und auf die mit kräftigem Ausdruck, der an Gewürztraminer erinnert. Schöne Beispiele dafür sind zwei Weine aus der Wachau, die in der dortigen höchsten Qualitätsstufe Smaragd ausgebaut und verkauft werden: der 2008er Grüne Veltliner Smaragd von Lehensteiner in Weißenkirchen und der 2006er Smaragd vom Loibnerberg von Emmerich Knoll, einem der besten Winzer Österreichs (18 und 30 Euro). Unter den Rotweinen sticht der Gabarinza des jungen Weinguts Gernot Heinrich im Burgenland heraus, eine vielschichtige Cuvée mit vollem Körper aus Merlot, Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent. Zu kaufen ist sie im Gustonarium für knapp unter 40 Euro.
Angeboten wird zudem steirisches Kürbiskernöl, wunderbare Marmelade aus Wachauer Marillen, gerebelter und in Gläser verschlossener Steirischer Kren, der so scharf ist, dass er einem die Tränen in die Augen treibt. Probierenswert sind die vorgekochten und eingedosten Käferbohnen, auch als Saubohnen bekannt. Am besten bereitet man sie als Salat zu, mit roten Zwiebeln, wenig Essig und Kürbiskernöl mariniert. Gut sind die "Teufelswürstel" aus dem Salzburger Land: geräucherte und luftgetrocknete kleine Rohwürste aus Rind- und Schweinefleisch, die leicht scharf sind und richtig saftig (260 Gramm für fünf Euro). Gewürze und Trinkschokolade von Ingo Holland aus Klingenberg sind so etwas wie ein programmatischer Ausreißer in dem hübschen Geschäft mit dem schönen Holzboden, aber das macht ja nichts. Und zu einem Schokoladentrunk lassen sich gut in Schokolade getauchte Kürbiskerne knabbern, die Aichberger in gepunkteten Spitztütchen verkauft oder, wie alles andere, versendet.
Gustonarium, Hauptstraße 49 in 61462 Königstein. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 15 Uhr. Montags geschlossen.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - 2011
Last changed: 20.03.2011 at 22:33
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